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Wer in dem 267 Seiten starken Buch eine trockene wissenschaftliche Abhandlung erwartet, wird überrascht sein. Der Professor für Pflanzökologie am Institut für Geobotanik der Universität Hannover, bekannt auch durch andere Bücher zur Geschichte der Landschaft Mitteleuropas, hat mit der Geschichte des Waldes ein gut lesbares Werk ohne die bei wissenschaftlichen Arbeiten üblichen endlosen Anmerkungen oder Fußnoten geschrieben. Wer sich intensiver einarbeiten will, findet dennoch im Anhang zahlreiche Literaturempfehlungen zu jedem der 23 Kapitel. Küster spannt den weitest möglichen Bogen, indem er tatsächlich mit der Entstehung der ersten Bäume und Wälder vor etwa 320 bis 400 Millionen Jahren beginnt und mit Überlegungen zur zeitgenössischen Waldthematik, etwa dem Baumsterben, endet. Dazwischen zeichnet er das Bild einer wechselhaften und dynamischen Entwicklung von Bäumen, Wäldern und Landschaften, die diesem Abschnitt der jüngeren Erdgeschichte als bestimmend für die Bildung, den Fortbestand und auch den vereinzelten Niedergang menschlicher Zivilisationen erkennt. Dabei wird deutlich, dass die intensive Interaktion zwischen Menschen und Wäldern lange vor dem Entstehen der ersten zivilisierten Gesellschaften Wirkung zeigten und die Wälder zum Zeitpunkt der ersten schriftlichen Reflexionen (z. B. in Tacitus Germania) schon längst keine ursprünglichen Urwälder mehr waren. Diese Entmythologisierung von Vorstellungen, die sich (v. a. in Deutschland) z. T. bis heute beständig gehalten haben, gehört sicher zu den ernüchternden Aspekten in Küsters Buch. Die historische Hinterfragung macht aber deutlich, welche enorme Bedeutung die Wälder und das aus ihnen gewonnene Holz für die gesamte Menschheitsentwicklung hatten und bis heute haben. Die historische Betrachtung des Wechselspiels zwischen Waldnutzung, Zivilisation und Landschaftsentwicklung kann als wichtige Voraussetzung gesehen werden, heute klar erkennbare Kurzsichtigkeiten und ökologische Fehlentwicklungen künftig zu vermeiden, damit die Geschichte des Waldes die Chance hat, weitere Kapitel zu schreiben.
Albrecht Lehmann ist Professor für Volkskunde und geht das Thema des Verhältnisses der Deutschen zu ihrem Wald und den Bäumen auf systematische und empirisch fundierte Weise an. Dabei werden alle möglichen Themen von der Symbol- und Zeitgeschichte des Waldes über seine ästhetische und biografische Bedeutung bis hin zu politischen Implikationen ausführlich diskutiert.
© Bernhard Lux (Inhaltsbeschreibungen)